Ich wiederum habe nie verstanden, warum man IDs wie am Fließband verbrauchen muss. Aber jedem seins.
Klammert man die Extremität dieser Formulierung ("IDs wie am Fließband verbrauchen") einmal aus, landet man wohl bei so einer Art "Generationenkonflikt" in den MNs.
In den 1990-ern und frühen 2000-ern waren IDs überwiegend eher noch so was wie Pseudonyme. Man hat sich zwar einen Fantasienamen gegeben und - wo nicht sowieso noch Baumstrukturforen in Gebrauch waren - vielleicht eine prominente Persönlichkeit als Avatar gewählt, ist ansonsten aber eigentlich als man selbst aufgetreten.
Politische Ansichten zu vertreten, mit denen man sich in der Realität nicht identifiziert, war das Äußerste.
Irgendwann in den 2000-ern fanden dann rollenspielerische Elemente Eingang in die MNs. Man begann, seine IDs stärker von sich selbst abzukoppeln. Diese erhielten z. B. eine Vorgeschichte/Biographie innerhalb der virtuellen Welt, und einen von der realen Persönlichkeit des Spielers, auch über dessen politische Ansichten hinausgehend, losgelösten Charakter.
Früher entstanden IDs mit dem Einstig einer realen Person in die MN-Welt, und endeten mit seinem Ausstieg. Woher sie kamen und wohin sie gingen war unwichtig, sie waren ohnehin nur Aliasse ihrer Spieler. Heute sind sie so was Charaktere, Figuren o. ä., die irgendwoher aus der virtuellen Welt kommen und auch in ihr bleiben, selbst wenn sie nicht mehr innerhalb des Spiels sichtbar/aktiv sind.
Auch wenn ich eine "alte Schachtel" (33 Jahre alt/seit 12 Jahren mit den MNs vertraut) bin und vielen Neuerungen skeptisch gegenüberstehe, habe ich das irgendwie in mich aufgenommen.
Meine ID Fox war eben ein Charakter der virtuellen geschichtlichen Wirklichkeit der Vereinigten Staaten von Astor. In dieser hat sie seit ihrer Geburt gelebt, war eine Weile in deren öffentlichem Leben (hier im Forum) sichtbar, und lebt hier bzw. dort (in der virtuellen Wirklichkeit der VS Astor) auch weiterhin. Vom virtuellen Heute aus gesehen wird sie irgendwann sterben. Wenn Aufzeichnungen über Astor im Internet noch in hundert Jahren auffindbar sein sollten, dann wird Ashley Fox für den, der diese Aufzeichnungen findet, eine fiktive Person sein, die in einer fiktiven Welt gelebt hat, dort 1982 geboren wurde und vermutlich irgendwann zwischen 2062 und 2082 oder so dort gestorben ist.
Ich möchte in dieser virtuellen Wirklichkeit, in der meine ID Ashley Fox gelebt hat, nun eben aus gewissen Gründen die Geschichte einer anderen fiktiven Person erzählen. Dazu habe ich diese geschaffen, und werde Fox noch einen Abschied zurück in die virtuelle Unsichtbarkeit bereiten.
(Evtl. sollte man beim Lesen dieses Beitrages einmal ausbleben, dass ich mich kürzlich als psychisch krank geoutet habe.

Verstehen kann man aber denke ich schon, was ich meine.

)